Jede(r) sollte ein Burnout haben

 In Gesundheit

Burnout, kaum ein Wort wird so häufig verwendet und kaum eines so unterschiedlich verstanden. Betroffene finden sich in jeglichen Altersklassen, Berufsgruppen und Lebensphasen. Die Beschreibungen reichen von Unkonzentriertheit und Überforderung bis hin zu Schlaflosigkeit und tiefer Erschöpfung. Das macht es schwer zu klassifizieren, denn nichts muß, aber alles kann. Oftmals endet ein Burnout im absoluten Rückzug; die Systeme fahren auf Null, das Leben steht still, das Umfeld ist fassungslos.
Häufig dauert es viele Monate, den Zustand des nicht mehr Könnens zu überwinden. Der Weg ist lang und mühsam. Doch er lohnt sich. Meine Erfahrung mit Patienten zeigt, dass am Ende viel mehr, als nur die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt ist. Stille und Ruhe kehren ein. Im besten Fall auch Kontemplation; die Besinnung auf sich selbst. Das Tempo des Außen interessiert nicht mehr, der Blick wandert ins Innen. Dorthin, wo unsere ganz persönlichen Schätze vergraben sind. Wertvolles wie Freude, Kreativität, (Be-)Sinnlichkeit, Selbstliebe, Lebenslust. Interessen, die, meist aus beruflichen Gründen, jahrzehntelang hintenanstehen mussten, zeigen sich neu. Die Lust, ein Instrument zu spielen, eine Sprache zu lernen, zu reisen. Plötzlich öffnet sich der Raum, neue Erfahrungen sammeln zu dürfen. Das Erlebnis, mit sich zu sein, den Moment zu genießen, der Stille zu lauschen.
All das ist unendlich wertvoll. So wertvoll, dass ich für ein regelmäßiges, selbst gewähltes „Burnout“ plädiere! Ganz ohne Nebenwirkungen wie Krankheitsgefühl und Totalausfall. Warum schalten wir das Handy nachts nicht einfach mal aus? Warum ziehen wir uns nicht für eine halbe Stunde am Tag zurück in unser Reich; lesen ein Buch, essen in Ruhe einen Snack, sitzen am Wasser, gehen durch den Park, spielen ein Instrument, machen Sport oder meditieren.?

„Warum nicht?“ frage ich Sie.

Ihre Kristin Bethke